Time Tunnel_Black Sabbath

12. August 1970 | Black Sabbath | Fantasio, Dortmund

Es waren legendäre Konzerte in Dortmund. Auch, wenn es zum Teil sehr lange her ist, sind die Erinnerungen noch wach, als hätten die Musiker gestern erst in der Westfalenmetropole gerockt. TONGEBIET möchte an diese Sternstunden in der Serie „History“ erinnern. Heute: Black Sabbath am 12. August 1970 im Fantasio, Dortmund.

Am 30. November 2013 spielen Black Sabbath in der seit langem ausverkauften großen Westfalenhalle. Es wird vielleicht die letzte Gelegenheit sein, die Band um Ozzy Osbourne und Tommy Iomie im TONGEBIET live zu erleben. Vor 43 Jahren spielte die Band aus Birmingham zum ersten Mal in Dortmund. Der damalige Veranstalter des Konzerts im Fantasio war die DJ-Legende Ruud van Laar. Für die TONGEBIETs-History-Reihe erinnert sich van Laar gemeinsam mit Uwe Meyer, der recherchierte.

Ruud

Ruud van Laar erinnert sich auch heute noch gerne an das Fantasio - vor allem aber an Black Sabbath.

Am 12. August 1970 unterzeichneten Willy Brandt und der sowjetische Ministerpräsident Alexej N. Kossygin den Moskauer Vertrag. Somit war die Westgrenze Polens entlang der Oder und der Neiße von Deutschland anerkannt und alle Gebietsansprüche nichtig. Damals umstritten, gilt das Entgegenkommen Brandts heute als der erste Schritt zur Entspannung. Auch wenn Mungo Jerry mit seinem Song „In The Summertime“ die Charts anführte, soll es an diesem Mittwoch im August 1970 viel zu kühl gewesen sein. 18 Grad, sagt die Wetteraufzeichnung. Immer auf der Suche nach den neusten Rock-Acts war Ruud van Paar, damals im TONGEBIET einer der innovativsten Veranstalter und er hat diverse Clubs geführt. So auch das Fantasio, einen ehemaligen Kinosaal auf der Münsterstraße.

Zwischen Februar 1970 und Juni 1971 traten dort die angesagtesten Bands und heißesten Newcomer auf. „In 17 Monaten habe ich dort 135 Konzerte veranstaltet. Brainbox aus Holland, mit Jan Akkermann als Gitarrist, haben zur Eröffnung gespielt“, erinnert sich van Laar. Im Laufe der 17 Monate holte der in Utrecht geborene van Laar viele angesagte Bands aus seiner Heimat. So spielten Livin‘Blues, Ekseption, Focus, Earth & Fire, Alquin, Cuby & the Blizzards (damals mit Herman Brood am Klavier) oder Association P.C. (mit keinem geringerem als Jasper van‘t Hof an den Tasten) in Dortmund. Das Programm des Fantasio liest sich heute wie ein Rock-Lexikon der frühen 70er Jahre: Keef Hartley Band, Audience, Hardin & York, Frumpy, Can, Colosseum, Vinegar Joe mit Robert Palmer und Elkie Brooks als Sänger, Terry Reid & Band mit David Lindley als Lead-Gitarrist, die Climax Blues Band, Renaissance, Man, Can, Kraan, die Dortmunder Band Epitaph als Hausband, Guru Guru, Embryo, einige Freejazzer wie Peter Brötzmann, Gunter Hampel, Alexander von Schlippenbach, Peter Kowald, Manfred Schoof oder die damals noch unbekannten Kraftwerk oder Supertramp.

Yes hatten gerade ihre zweite Platte raus gebracht und stand vor dem Durchbruch. Rory Gallagher hatte Taste gerade aufgelöst, war durch das Isle Of Wight-Festival längst ein Star, doch Ruud van Laar schaffte es trotzdem, den Gitarrist für sein erstes Konzert mit seiner eigenen Band ins Fantasio zu holen. Steamhammer, die mit „Mountains“ und „Junior Wailing“ schwer angesagt waren, stellten den Besucherrekord im Fantasio auf. „2000 Leute drängten sich in den eigentlich nur für 1300 Zuschauer ausgelegten Saal. Da wir keinen Backstage-Bereich hatten, habe ich an einer Bühnenseite eine Kabine bauen lassen, in der sich die Bands vor und nach dem Auftritt zurückziehen konnten. Glücklicherweise war der Kasten sehr stabil, denn während der ausverkauften Konzerte kletterten auch Zuschauer auf die Kabine. Heute wäre das undenkbar. Aber damals hat alles funktioniert. Wir brauchten bis auf den Türsteher nicht einmal Ordnungskräfte. Der Respekt vor den Musikern hat immer gereicht, dass sich die Zuschauer am Bühnenrand angemessen verhalten haben.“

Black-Sabbath-94171741-543x199Weil Black Sabbath im August 1970 für zwei große Festivals in Holland gebucht waren, wurde ihm die Band kurzfristig zu einem Warm Up-Gig in Dortmund angeboten. Gage: 3600 DM! Die Band hatte gerade mit „Paranoid“ ihr zweites Album veröffentlicht und kam von einer US-Tour. „Kurzfristig war in dem Fall fünf Tage vor dem Konzerttermin. Ich wollte die Band aber unbedingt haben, weil das erste Album schon gut angekommen war und alle wussten, das Black Sabbath DAS DING werden würden. Sogar in dem Plattenladen Die Schallplatte - damals mit dem bestens informierten Fräulein Bolt, der einzige Laden in dem man in Dortmund auch gute Rockplatten kaufen konnte - hatte 20 Exemplare von „Paranoid“ im Fach stehen. Von den sonstigen Neuerscheinungen gab es sonst vielleicht mal drei oder vier Exemplare am Veröffentlichungstag. Ich habe damals immer schnell Entscheidungen getroffen, weil ich von den Bands überzeugt war und es wichtig fand sie zu machen. Also habe ich auch bei Black Sabbath zugeschlagen, trotz der geringen Vorlaufzeit. Oft war es aber zu meinem eigenen Nachteil“, bekennt van Laar.

Plakate trockneten in der Wohnung

Fünf Tage Vorbereitung waren auch damals so gut wie nichts. „Wir haben sofort angefangen, Plakate zu drucken, die Egon Hünneke entworfen hatte. Alles im Siebdruck. 100 Exemplare. Die ganze Wohnung hing voll, damit sie schnell trocken wurden und gehängt werden konnten. Im Prinzip war ich dann der erste Wildplakatierer. Ich habe bestimmt zwanzig Stück ans alte Fina-Parkhaus an der Kuckelke, gegenüber dem FHH, gehängt, um die ganzen Berufsschüler auf das Konzert aufmerksam zu machen.“ Doch irgendwie waren fünf Tage zu wenig, aber immerhin kamen 600 Fans ins Fantasio und zahlten 6 Mark Eintritt. Das Konzert trug sich gerade selbst. „Die Band war völlig nett und bodenständig. Als Catering reichten ein Paar Pizzen und genügend zu trinken. Und, dass die Musiker genügend zu paffen hatten. Dafür war der Türsteher zuständig. Auch Ozzy Osbourne war damals noch nicht so durchgeknallt.

„Die Band spielte eine Stunde und begannen mit ‚Paranoid’, wie wohl immer zu der Zeit“, weiß Ruud van Laar zu erzählen. Das Fantasio war eigentlich der perfekte Club für Sabbath. Der Eingang des Fantasio war mit psychedelischen Malereien - auch von Hünecke - gestaltet. Das Motto war frei nach einem Blind Faith-Song „Do What You Like“. Van Laar hatte in den Saal einen kahlen Baum gestellt, an dessen Stamm und Ästen unzählige Puppen genagelt waren. Auf einem Podest stand ein alter ausrangierter Zahnarztstuhl, der an exponierter Stelle natürlich sehr beliebt war, besonders wenn man gerade was geraucht hatte. „Im Saal selbst waren die Wände kahl, aber unter der Saaldecke hing eine Gondel. In der saßen immer Jungs, die unsere Lightshow inszenierten. Da wurden mit Dia-Projektoren und Ölscheibenprojektoren individuelle Bilder inszeniert. Die Jungs haben da gesessen und mit Spritzen immer neue Bilder in die Ölscheiben injiziert“, schwärmt der DJ. Zurück zu Black Sabbath. Die traten damals in fast der Besetzung von heute an. Ozzy Osbourne mit seinem unverkennbaren Gesang, Tony Iommi an der Gitarre, Geezer Butler am Bass und Bill Ward, der im aktuellen Line Up nicht mehr dabei ist, an den Drums. Tiefe, schleppende Gitarrenriffs, kombiniert mit dem monotonen Gesang von Ozzy Osbourne, das machte damals wie heute den Sound von Black Sabbath aus und schuf eine für damalige Verhältnisse dämonische Atmosphäre.

Arbeitsunfall in einer Stahlblechfabrik

blacksabbath1970Der düstere Gitarren-Sound Iommis wurde aus der Not geboren. Bei einem Arbeitsunfall in einer Stahlblechfabrik verlor der Gitarrist Teile von zwei Fingerkuppen der rechten Hand. Als Linkshänder musste er mit der die Saiten greifen. Um jedoch spielen zu können, hat er sich Fingerkuppen aus Plastik anfertigen lassen. Damit Iommi beim Gitarrenspielen weniger Schmerzen hatte, stimmte er seine Gitarre um drei Halbtöne tiefer. Weil auch der Bass-Sound darauf abgestimmt wurde, ergab sich der düstere Sound, der Songs wie „Iron man“, „Hand Of Doom“ oder „N.I.B“ so unverwechselbar macht. Ruud kann sich an die Setlist nicht erinnern, aber schaut man sich vorhandene Setlisten aus der Phase an, so ergibt sich immer ein ähnliches Bild, das auch dadurch vorgegeben ist, dass Black Sabbath zu dem Zeitpunkt erst zwei Alben veröffentlicht hatten. Lediglich „Rat Salad“ und „Fairies Wear Boots“ die Positionen im Set. Herzstück war aber immer auch ein langes Gitarrensolo von Iommi. Manchmal rutschte „Walpuris“ ins Programm, dafür fehlte dann „War Pigs“ und umgekehrt. Wie war es im Fantasio am 12. August 1970 war, who knows?

Ruud van Laar, der im April seinen 70. Geburtstag feierte, hat in der Folge im TONGEBIET wichtige Locations wie Coventgarden, JARA, Keller, Rondo, Cafe Bohemien, das LOGO in Essen, das SPIRIT, Bronx und Boogaloo in Bochum aufgebaut. Bis heute arbeitet van Laar als DJ und erfreut die Tanzwütigen zurzeit regelmäßig auf dem Kneipenschiff Herr Walter in Dortmund, in der Lindenbrauerei in Unna und der Werkstadt in Witten.

Black Sabbath wurde zur Mutter aller Stoner- und Doom-Metal-Bands und spielten über vier Jahrzehnte in wechselnden Besetzungen in der 1. Liga. Ihr aktuelles, von Rick Rubin produziertes Album schnellte sofort nach Erscheinen auf Platz 1 der Verkaufs-Charts. Im kommenden Monat spielt die Band noch einmal in Dortmund.

  Termin(e) im TONGEBIET:

DatumBeginnOrtInformationen
30.11.201320:00Westfalenhalle
Rheinlanddamm 200, Dortmund
AUSVERKAUFT
27.06.201420:00Stadion Essen
Hafenstraße 97, Essen (Ruhr)
Tickets: VVK ab 73 Euro zzgl. Gebühren

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