Jessy Martens im Piano. Foto: AWi

Norddeutsche Powerfrau begeistert in LüDO

In Deutschland gibt es Talente in Hülle und Fülle. Auch die Sängerin Jessy Martens mit ihrer Band und Gitarrist Marius Tilly im Vorprogramm demonstrierten, dass man auch ohne große Plattenfirma mit viel Eigeninitiative vorwärts kommen kann.

Das Piano war gut gefüllt beim Dortmund-Debüt der norddeutschen Rockröhre. Der Sängerin eilt ein Ruf als blendende Entertainerin, Rampensau und Sängerin mit riesigem Talent voraus. Seit vier Jahren auf Ochsentour, spielen „sie sich den Arsch ab“, um vorwärts zu kommen. Das trägt so langsam Früchte und obwohl Jessy in den ersten Monaten diesen Jahres gut ein Dutzend Mal im TONGEBIET spielt, wundern sich Ahnungslose über den guten Besuch an einem Sonntag. Jessy weiß von Beginn an, wie sie das Publikum zu nehmen hat, schwärmt in Lütgendortmund erst einmal vom BVB-Coach Jürgen Klopp. Um die Männer zu gewinnen, wie sie sagt.

Doch all das wäre nicht nötig gewesen. Jessy outet sich stimmlich als Mischung aus Amy, Janis, Tina und Skin und rockt los. Die Band ist solide, gut eingespielt und durch viele Auftritte erprobt, könnte aber gelegentlich etwas mehr Esprit vertragen. Zum größten Teil, und das ist sehr positiv, vertraut die Sängerin auf eigenes Songmaterial. Das ist wie die bewegende Ballade „My Love“ oder der Titelsong der neuen Albums „Break Your Curse“ zum Teil exzellent. „Break You Curse“ ist ein emotionaler Dampfhammer Marke Skunk Anansie. Als Kontrast gibt es dazu den klassischen Chicago-Blues „Trying To Make My Living“ von Koko Taylor, der Queen Of Chicago Blues. Da zeigt sich das Selbstbewusstsein von Jessy, die genau weiß, wann sie mit dem Publikum kokettieren muss.

Sie beherrscht die Tricks, das Publikum bei der Stange zu halten, auch wenn die Call and Response Spielchen manchmal etwas zu lang waren. Um es kurz zu machen, Jessy Martens ist ein riesiges Talent, das, wenn man ein einigen Stellschauben nachjustieren würde, ein riesiger Act werden könnte. Ein ungeschliffener Rohdiamant. Wenn in ihrer Band beispielsweise ein versierter, variabler Gitarrist spielen würde wie Marius Tilly, oder gleich die ganze Band der Fröndenbergers, dann würde das auch Jessy Martens in eine neue Dimension katapultieren.

TONGEBIETler Marius Tilly als Opener, konnte mit seiner Band in jedem Fall eine eindrucksvolle Duftmarke setzen. Der Gitarrist und sein Trio konnten in klassischer Triobesetzung und mit modernstem Blues-Rock, der funky und mit viel Soul vorgetragen wurde, überzeugen. Das ist schon sehr reif, musikalisch vielseitig, dynamisch und sehr hoffnungsvoll was Tilly da spielt. Mit dem was der Westfale da abliefert, wandelt er auf den Spuren von Henrik Freischlader. Es ist nur eine Frage der Zeit, wenn er und sein Trio selbst als Headliner in Clubs wie dem Piano auflaufen.

  
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