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Mike Zero mag keine Kompromisse

Er ist rotzig und hat seine Wurzeln im Punk. Ab und zu spielt aber auch gerne mal eine Ballade – vorausgesetzt sie ist nicht zu schnulzig: Mike Zero. Nach den Platten „Zeroism“ und „Now“ ist er wieder im Studio und bastelt an einem neuen Tonträger. TONGEBIET sprach mit dem Dortmunder Musiker über analoge Technik, die Sprache des Rock’N’Roll und warum er lieber als Solokünstler unterwegs ist. In diesem Monat veröffentlichte er „Rock’n’Roll Junkie“ - eine Hommage an seine Fans die nur auf Konzerten erhältlich ist. Am 30. November spielt Mike Zero beim Mukkefux-Festival im FZW.

Mike, warum machst Du Musik?

Mike Zero: Ja das ist ja immer so die gute Frage. Warum macht man das? Die meisten wollen ja Mädchen haben und Geld verdienen (lacht). Nein, ich mache es weil ich es muss! Sonst würde ich in der heutigen Zeit längst aufgegeben haben. Du verkaufst keine Platten mehr, du musst andere Wege finden, um Geld zu verdienen. Geld kann einfach nicht die Intention sein, um Musik zu machen. Wenn ich eine Person erreiche, ich nur einen Tag verändern kann, dann habe ich erreicht, was ich möchte. Denn vielleicht hätte diese Person durch einen meiner Songs etwas getan, was sie sonst nicht getan hätte - ein toller Gedanke.

Musik wird gerne in Schubladen gesteckt, zumindest wird das oft so dargestellt. Wo siehst Du Dich selber?

Mike Zero: Ich sehe mich wirklich eher in der Kategorie Pop/Rock. Es darf auch mal eine Ballade dabei sein, wenn sie nicht zu peinlich ist (lacht). Gerade stecke ich im Wandel. Ich bin wieder im Studio für die neue Platte, die insgesamt mehr „catchy“ und „poppy“ wird. Es muss sich für mich gut einfach gut anfühlen. Was es letztendlich für ein Gewand bekommt, überlasse ich den Menschen die sich meine Songs anhören.

Pop ? Das hört sich nicht nach dem Punk an, dem Du in der Vergangenheit zugeordnet wurdest.

Mike Zero: Aber das ist doch irgendwie Punk. Punk-Rock bedeutet ja auch, das zu machen, was man möchte. Ich war ehrlich gesagt etwas verwirrt, als ich die ersten Kritiken meiner ersten Platte „Zeroism“ gelesen habe. Die gingen in so eine Art Wave-Richtung. Da sehe ich mich selber so gar nicht. Nur weil da ab und an ein Keyboard dabei ist, heißt das nicht, dass es Wave ist. Ich habe meine Wurzeln im klassischen 77er Jahre Punk. Iggy Pop, The Clash oder Dead Kennedys. Das ist das, was ich so als Kind gehört habe. Ich gehöre auch zu den Irren, die immer noch viel Geld dafür ausgeben, ein paar originale Sticker oder Limited-Editions zu kriegen (lacht).

Deine Texte sind sehr persönlich. Erzähl doch mal ein bisschen die Geschichten hinter deinen Lyrics…

Mike Zero: Das tue ich eigentlich ungern, weil ich gerne den Interpretations-Freiraum lassen möchte. Wenn drei Leute den gleichen Film sehen, dann haben die drei Leute eine unterschiedliche Meinung. Ich denke, so sollte es auch mit guten Texten sein. Aber natürlich geht es um nicht erwiderte Liebe, um Frustration in jeder Hinsicht, um verwirrende Gedanken…

„Englisch ist für mich die Sprache, die in den Rock’N’Roll gehört“

Deine Texte sind nur auf Englisch. Wie kommt‘s?

Mike Zero: Ich hab es auch mal auf Deutsch versucht, aber das kann ich nicht. Ich kriege das nicht hin, andere können das einfach besser. Wenn ich üben würde, könnte ich das vielleicht eines Tages hinbekommen. In englischer Sprache kann ich viel besser in Metaphern sprechen. Außerdem ist Englisch für mich die Sprache, die in den Rock’n’Roll gehört.

Du bezeichnest Dich selbst als Solokünstler, hast aber immer eine Band im Hintergrund. Da gibt es einige neue Namen…

Mike Zero: Ja, irgendwie habe ich da einen großen Verschleiß, so dass ich jetzt schon außerhalb Dortmunds schauen musste (lacht). Mein langjähriger Drummer Jens Küchental hat was am Rücken und kann nicht mehr spielen. Er musste schon vor der letzten Tour absagen. Mein Gitarrist hat mich auch verlassen. Da musste ich mir neue Musiker suchen. Neu mit dabei: Matt Vodoo von Mad Sin. Er ist Amerikaner und tut mir gut, weil er die Sprache spricht, die ich singe. Ein toller talentierter Kerl! Total genial ist, dass Bobby Schottkowski das Schlagzeug übernommen hat. Du hast da einen Trash-Metal Drummer und machst mit ihm eine Art Pop Musik. Das ist geil. Er hat sich, das glaub’ ich, anfangs auch ein bisschen schwergetan. Wenn alles einfach wäre, wäre das ja auch scheisse (lacht). Aber er hat das echt gut gemacht und fügt sich wunderbar in die Band ein.

Warum hast Du Dich eigentlich dafür entschieden, es als Solokünstler zu versuchen?

Mike Zero: Das war eine ganz bewusste Entscheidung, weil ich keine Kompromisse mag. Es ist mir wichtig, dass ich meine Sache so durchziehen kann. Ich will mich nicht mit dem Bassisten darum streiten, wie was gespielt wird. Meine Musik soll so sein, wie ich das will. Zusätzlich ist es so, dass du als Solokünstler immer die Möglichkeit hast, dich zu wandeln. Als Band ist das schon schwieriger. So kann ich einfach experimentieren, auch wenn das den Leuten nicht passt. Motorhead könnte zum Beispiel kein Elektronikalbum machen. Das würde ihnen niemand verzeihen. Mir schon.

Wieso ist Dir diese Wandelbarkeit so wichtig?

Mike Zero: Es langweilt mich einfach, immer das gleiche zu machen. Ich suche immer nach dem nächsten logischen Schritt. Ich achte eigentlich nie darauf, was die Leute denken. Ich lese zwar die Kritiken über mich und mache mir natürlich auch dazu meine Gedanken, aber das beeinflusst mich nicht. Wenn es gefällt, ist das ganz klar ne gute Sache. Wenn es nicht so toll ankommt, stehe ich auch dazu. Ich stehe immer hinter dem was ich tue.

Wo Unterscheidet sich Dein kommendes Album von den zwei Vorgängern?

Mike Zero: Es gibt immer wieder andere Dinge, die mich beeinflussen. Jetzt habe ich zum Beispiel ein Klavier in meinem Büro stehen, was das Komponieren und Songwriting schon irgendwie verändert. Was auch sehr gut ist, die Gitarren mal anders zu stimmen. Das eröffnet Möglichkeiten, über die du vorher nicht nachgedacht hast. Der größte Unterschied ist aber, dass ich nicht wie sonst alles selber gemacht habe. Ein ist ein ganz neuer Schritt für mich, mal einen großen Teil an meine Band abzugeben.

Produziert wird Dein neuer Tonträger wieder von Siggi Bemm…

Mike Zero: Ein großartiger Kerl! Er ist mit analoger Technik großgeworden und hat in den 80ern viel gemacht. Die Arbeit mit ihm ist grandios. Diese analogen Geräte, mit denen auch wir unsere Musik aufnehmen, sind schon was anderes als das Digitale. Im Vergleich rappelt das ganz schön im Karton.

Was planst Du für die Zukunft?

Mike Zero: Ich träume von einem Live-Album, das ausschließlich neue Songs enthält. Es wäre grandios, ein Konzert mit unveröffentlichten Liedern zu spielen, es aufzunehmen und danach zu veröffentlichen. Das strebe ich an und es wäre auch mal was ganz neues...

  Termin(e) im TONGEBIET:

DatumBeginnOrtInformationen
30.11.201318:30FZW
Ritterstr. 20, Dortmund
Tickets: 5 Euro - nur Abendkasse

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