Tommy-Schneller-GER Kopie

Tommy Schneller – Fonky Blues-Sax

Der Blueser Tommy Schneller ist in der Blues-Szene seit Jahren eine Hausnummer, wenn es um das Saxophon geht. Seit seine und Henrik Freischladers Wege sich kreuzten, hat der Saxophonist jedoch einen großen Sprung gemacht und Preise abgeräumt. Drei German Blues Awards und der Preis der deutschen Schallplattenkritik wurden dem Osnabrücker verliehen. Nun ist sein neues Album „Cream Of Crop“ mit einer explosiven Mischung aus Blues, Funk & Soul mit viel Gebläse erschienen. TONGEBIET sprach mit dem Meister des Sax-Honkin‘.

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Tommy Schneller als Support für Layla Zoe im Piano. Foto: AWi

Gerade ist Deine neue CD erschienen. Wieder eine Cooperation mit Henrik Freischlader. Wie habt ihr euch kennengelernt?

Tommy Schneller: Das muss so April 2007 gewesen sein. Damals spielte ich zusammen mit Olli Gee in der Bluesnight Band und da hatten wir Henrik für ein paar Gigs als spezial Guest eingeladen. Den Tip: „da gibt’s diesen jungen Typen bei uns in Wuppertal........den müsst ihr mal einladen“ kam von Drummerkollege Mickey Neher.

Ihr habt ja auch mal eine gemeinsame Band gehabt, die eine Platte rausgebracht hat. Ist „5 Live“ Geschichte, oder tretet ihr gelegentlich noch auf?

Tommy Schneller: Das werde ich ständig gefragt und es freut mich sehr, da mir die Kollegen sehr am Herzen liegen und wir einfach viel Spaß beim musizieren hatten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es wieder „5 Live“ on Stage geben wird. Die Frage ist nur wann.

Was sind die Vorzüge einer Zusammenarbeit mit Henrik?

Tommy Schneller: Henrik ist ein musikalischer Ästhet mit dem Blick fürs wesentliche. Alles hat „style“! Da wird z.B. gerne auch mal ein Ton weg gelassen. Außerdem kennen wir uns relativ lange und gut und er weiß genau, wo mein musikalisches Herz schlägt. Bessere Bedingungen kann ich mir gerade nicht vorstellen.

Du stammst ja aus der Umgebung von Osnabrück. Kommt man da automatisch zum Blues? Da gibt es ja irgendwie ein Nest?

Tommy Schneller: Die Blues-Scene in Osnabrück ist klasse. Seit 28 Jahren gibt es dort eine sehr gut frequentierte Session . Olli Gee, Kai Strauss, Jimmy Reiter etc. sind alle auf dieser Session musikalisch aufgewachsen. Osnabrück ist mit 160.000 Einwohnern eine eher kleine Stadt, hat aber unglaublich viel kulturelles Leben. Nicht nur der Blues ist stark vertreten hier, sondern auch aus den Bereichen Jazz, Pop, Rock und Klassik hat diese Stadt einiges zu bieten.

Später hab ich dann vor allem Gitarristen gehört

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Tommy Schneller als Support für Layla Zoe im Piano. Foto: AWi

Was waren Deine ersten musikalischen Vorbilder?

Tommy Scneller: Mit 7 habe ich Elvis und Bill Haley entdeckt und dann die ganze 50th Rock’n’Roll Abteilung. Später hab ich dann vor allem Gitarristen gehört. BB King , Albert Collins etc.

Wenn es  ums Saxophon geht, wenn bevorzugst du. Eher Ben Webster oder doch ein Honker wie Big Jay Mc Neely?

Tommy Schneller: Ich find beides extrem cool. Weich und hauchig wie Ben Webster oder ohne Gnade wie Big Jay: Top! Letztes Jahr hatte ich die Ehre ein paar Gigs mit Big Jay zu spielen. Es ist unfassbar, welche Kraft dieser 85-jährige Mann noch hat. Eine Legende.

In den 80ern war das Saxophon ja in der Musik fast omnipräsent. Man brauchte bei einer Pop-Nummer nur auf das typische „Stu-Stu-Studio-Line-Werbe-Clip-Saxophon“ zu warten. Dann war das Instrument, sieht man mal vom Jazz ab, fast out. Jetzt gibt es plötzlich wieder Dutzende Hits in den Charts, in denen das Saxophon eine Hauptrolle spielt. Siehst Du darin auch eine Chance für das Rhythm&Blues-Saxophon?

Tommy Schneller: Es wäre natürlich schön, wenn das Saxophon wieder etwas populärer würde und noch besser, wenn erdige Musik den ganzen „Plastiksound“ ein wenig aus dem Radio verdrängen würde. Schauen wir mal was passiert!

Die Zuhörer freuen sich über die kurzweilige Vielfalt des Programms

Das neue Album ist wirklich eine tolle Mischung aus Soul, Funk und Blues. Ich liebe das, aber setzt Du Dich da, besonders wenn man das deutsche Publikum im Blick hat, nicht zwischen die Stühle?

Tommy Schneller: Die Puristen werden vielleicht ein Problem damit haben! Die Leute, die das neue Material live gesehen haben, sind alle restlos begeistert und freuen sich über die kurzweilige Vielfalt des Programms. Am liebsten würden die meisten Menschen sowieso das hören, was sie schon kennen und sind Neuem gegenüber eher skeptisch. Das erklärt auch, warum die ganzen Tribute Bands so einen Erfolg haben im Moment. Ich bin aber auch überzeugt davon, dass man sich langfristig einen guten Kreis an Leuten erspielen kann und glücklich die auch glücklich macht.

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Tommy Schneller zusammen mit Gitarrist Jens Filser. Foto: AWi

Ich habe den Eindruck, dass man in Deutschland mit Blues nur noch kommerziell erfolgreich sein kann, wenn man Gitarre spielt. Kannst Du die Einschätzung teilen?

Tommy Schneller: Die Gitarre ist das populärste Instrument und Gitarrenmusik so erfolgreich wie lange nicht. Aber ich glaube, dass „gute Musik“ kommerziell erfolgreich sein kann. Ich liebe Gitarre und den Druck, den einige mit ihr erzeugen können! Der einzige Weg mit so einer Macht mitzuhalten, sind ein paar tighte Bläser die auf den Punkt spielen.

Was ist Dein Favorit auf dem neuen Album?

Tommy Schneller: Das ist schwer zu sagen, da mir alle Stücke sehr gut gefallen. Momentan liegen „Ain´t no maybe“ und „Superhero“ ganz vorne.

In welcher Besetzung spielst Du deine Gigs?

Tommy Schneller: Die Tommy Schneller Band sind: Dieter Kuhlmann (Posaune), Gary Winters (Trompete), Maik Reishaus (Bass), Jens Filser (Gitarre), Bernhard Weichinger (Schlagzeug), Greg Barrett (Orgel und Piano). Und ich!

Was wäre Dein musikalischer Traum?

Tommy Schneller: Mit dieser Band wirtschaftlich erfolgreich zu sein und weiterhin, in diesem tollen Team arbeiten zu können und möglichst viel zu spielen.

 

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