Deltaroad beim Pillepop-Festival. Foto: Fenja Volkmann

Pillepop – Bunt statt Braun - Ein Erfolg

Sechs Bands, sechs verschiedene Stilrichtungen, ein Motto: „Ruhrpott Bands gegen braunen Kokolores“. Das erste Pillepop Festival startete mit einer bunten Mischung aus Blues, Soul, Pop, Hardcore-Punk, Psychedelic-Rock und einer guten Prise Humor in die erste Runde. Doch hinter dem Spaß und tanzbaren Rythmen steckt viel mehr: Der Erlös kommt den Hinterbliebenen des Dortmunder NSU Opfers zu Gute.

Die jungen Dortmunder von Deltaroad starten, wenn auch noch etwas schüchtern, mit eigenen und Coversongs als erste Band beim Pillepop Festival. Leider finden an diesem Abend weniger Menschen den Weg ins Piano als erwartet – schade, denn ein Ticketpreis von nur 10 Euro an der Abendkasse ist für den Genuss von sechs Bands wirklich nicht zu viel. Außerdem geht es bei der von der Initiative Dortmunder Musiker und 3dog Entertainment organisierten Veranstaltung um den guten Zweck. Der Erlös kommt den Hinterbliebenen von Mehmet Kubaşık zu Gute. Der Familienvater und wurde 2006 in seinem Geschäft in der Nordstadt von den Rechtsterroristen des NSU ermordet. Es sei wirklich notwendig Gesicht und Flagge gegen rechts zu zeigen betont Daniel Schröder, Sänger von Alaska. Die zweite Band des Abends  überzeugt mit gefühlvollem Pop und cleveren Texten.

Es gibt auch viel zu lachen

Abgesehen von der vielen Musik, gibt es beim Pillepop viel zu Lachen. Der König vom Borsigplatz, Ilhan Atasoy, unterhält das Publikum in den Umbaupausen mit amüsantem Witz. Er nimmt vieles rund um das Thema Immigration auf die Schippe. Doch eines macht der Comedian deutlich: „Man darf vieles mit Humor nehmen, doch es darf nie unter die Gürtellinie gehen“. Mit Gedichten von Tucholsky oder einer abgewandelten Version des Erlkönigs wird es später sogar noch poetisch. Musikalisch geht es mit Lena Danai und ihrer Band weiter. Die junge Musikerin gilt als eine der talentiertesten Newcomerinnen der Region. Zu recht! Die Mischung aus Soul und Pop, sowie die teilweise feurig afrikanischen Rhythmen kommen beim Publikum richtig gut an! Mit der Nummer „Treat Me Like a Women“ sorgt Lena für einen absoluten Gänsehautmoment!

Es bleibt hochkarätig: Zirkus, ebenfalls aus Dortmund, bringen den Saal mit heißen Balkan-Beats zum tanzen. Mit Tony Gorilla bleibt es zwar tanzbar, aber es geht in eine völlig andere musikalische Richtung. Einige Fans tummeln sich vor der Bühne, um dem Hardcore-Punk der Truppe zu frönen. Danach folgt eine doch recht lange Umbaupause. Dies hat offenbar zur Folge, dass sich ein Großteil des Publikums bereits auf den Heimweg begibt. Schade, denn Vibravoid schicken einen mit ihrem Psychedelic-Rock auf eine Zeitreise in die späten 60er Jahre. Die Bühne ist in dunkles rot und grün getaucht und die Orgel wimmert – Pink Floyd lässt grüßen! Leider wirken die drei sehr unnahbar, richten kaum ein Wort an die Anwesenden. Vielleicht liegt hier der Grund, warum bei der letzten Band des kleinen Festivals der Funke nicht so recht überspringen will.

Auch wenn die Publikumszahlen deutlich unter den Erwartungen der Veranstalter blieben und die verschiedenen Stilrichtungen nicht immer  den Geschmack des Publikums entsprechen, ist das Pillepop ein voller Erfolg. Es ist mehr als nur Musik, es ist ein Zeichen von Ruhrpott Bands gegen braunen Kokolores – ganz wie es auf dem Banner über der Bühne prangt.

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