TONGEBIET

präsentiert

The Book of Soul

von

Iron Maiden


Wahnsinn! Iron Maiden, die neben Black Sabbath und Judas Priest größte und wichtigste britische Metalband, veröffentlicht mit „The Book of Souls“ (Parlophone/Warner) im Spätherbst ihrer Karriere mal eben das stärkste Studioalbum seit dem Meisterwerk „Somewhere In Time“ von 1986. Und das in abendfüllender Spielfilmlänge von über 90 Minuten, wahlweise auf zwei CDs oder drei LPs!

Dabei standen die Vorzeichen alles andere als gut. Die Veröffentlichung des längst eingespielten Albums wurde lange verschoben, um Bruce Dickinson die benötigte Zeit zu geben, sich von den Folgen seiner Krebsbehandlung zu erholen. Beim Sänger hatten sich Tumore auf der Zunge gebildet, glücklicherweise ist er mittlerweise vollständig genesen. Umso erstaunlicher ist seine brillante Gesangsleistung auf dem gesamten Album.

Schon der von ihm komponierte Opener „If Eternity Should Fail“ ist ein Volltreffer. Eine starke, sich steigernde Midtemponummer mit einem Ohrwurmrefrain im positivsten Sinne. Das nächste Highlight ist das über 13 Minuten lange „The Red And The Black“, von Bandleader und Bassist Steve Harris komponiert, das mit seinen folkigen Parts glänzt und seine Vorliebe für Bands wie Wishbone Ash und Jethro Tull dokumentiert.

iron maiden

Überhaupt sind die Songs hervorragend strukturiert. Hier sitzt jedes Break, zahlreiche Tempowechsel sorgen für Abwechslung und die dreifache Gitarrenfront Smith, Murray und Gers feuert aus allen Rohren. Das Grundgerüst dahinter bilden das variable Drumming von Nicko McBrain und das knorrige Bassspiel von Steve Harris. Dabei gelingt es der Band, eine dichte Atmosphäre zu erzeugen, den Songs wird, unterstützt von dezenten Keyboards und akustischen Gitarren, die nötige Luft zum Atmen gegeben. Bestes Beispiel ist der Titelsong „The Book of Souls“, der mit seinen orientalisch gefärbten Melodien und seiner Dramatik gar Erinnerungen an Rainbow zu seligen Dio-Zeiten aufkommen lässt. Dennoch ist dies keine Retroveranstaltung, im Gegenteil. Iron Maiden betonen, dass sie heute eben kein zweites „The Trooper“ (von „Peace of Mind“, 1983) mehr schreiben könnten, selbst wenn sie es wollten. Stattdessen bündeln sie bei diesem in Paris aufgenommenen Album ihre heutigen Stärken.

Luftschlacht aus Sicht eines Kampfliegers

Der straighte Uptemposong „Death or glory“, der die Luftschlacht aus Sicht eines Kampfliegers im 2. Weltkrieg beschreibt und textlich an „Aces High“ (von „Powerslave“ 1984) erinnert, geht noch am ehesten als überaus gelungene Reminiszenz an die Klassiker der frühen Jahre durch. Mit dem starken „Tears of A Clown“, das eine hervorragende Wahl für eine Single wäre, geht das Album langsam auf die Zielgerade. Der absolute Höhepunkt soll aber noch folgen…

Mit dem 18-minütigen Epos „Empire of The Clouds“ hat Frontmann Bruce Dickinson sein Magnum Opus komponiert. Der leidenschaftliche Pilot beschreibt hier den letzten Flug des britischen Luftschiffes R101, bei dessen Absturz im Oktober 1930 48 Personen ums Leben kamen. Die Dramaturgie der Geschehnisse wird noch verstärkt durch die Einbindung von klassischen Instrumenten wie Piano, Streicher und Oboe. Wenn dann die gesamte Band im Mittelteil des Songs im Staccato S.O.S. funkt und der Zeppelin kurze Zeit später im Piano- und Streicherwirbel abstürzt, wähnt man sich tatsächlich fast selbst an Bord des Schiffes. Das wunderschöne, von Bruce Dickinson selbst gespielte Klavierthema setzt den würdigen Rahmen für diesen grandiosen Song.

Wäre dies das letzte Studioalbum von Iron Maiden, ich könnte gut damit leben. Ein größeres Kompliment kann man einer Band mit einem solch starken Backkatalog wohl nicht machen. Up The Irons!

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Titel: The Book of Soul
Künstler: Iron Maiden
Veröffentlichung: 04.09.2015
Verlag: Parlophone / Warner

 

  
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